Rotatorenmanschette der Schulter: Schmerzen beim Armheben
- Schulterschmerzen: Schädigungen (Ruptur) der Rotatorenmanschette?
- Diagnose der Schulter: Wie erkennt der Orthopäde einen Schaden an der Rotatorenmansschette
- Therapie: Konservative Behandlung eines Defekts der Rotatorenmanschette der Schulter
- Therapie: Operation der Rotatorenmanschette der Schulter
- Prognose: Aussichten nach Behandlung der Rotatorenmanschette
1. Wie entstehen Schädigungen (Rupturen) der Rotatorenmanschette?


Der Riss der Rotatorenmanschette führt einer Verengung des Gelenkraumes unter dem Schulterdach (Akromion). Der Oberarmkopf ist vergleichbar einer Kugel, die von einer dichten Haube umhüllt ist. Bei einem Schaden der Haube kommt es mit zunehmender Größe des Rotatorenmanschettenrisses zu einem Durchtritt des Kopfes nach oben unter das Schulterdach. Der verschobene Oberarmkopf tritt in Kontakt zum Schulterdachknochen und zeigt zunehmende Veränderungen.
Die entstehenden krankhaften Veränderungen des Oberarmkopfes werden als sog. "rotator cuff -Arthropathie" bezeichnet. Die Störung der Schulter ist abhängig von dem geschädigten Hauptanteil der Sehne.
Benachbarte Sehnen und Muskeln versuchen diese Funktion auszugleichen. Verspannungen der Schulter und des Nackens können die Folge sein. Eine Eigenheilung der Rotatorenmanschette tritt in aller Regel nicht ein.
Schulterschmerzen und Bewegungsstörungen der Schulter gehören zu den häufigen orthopädischen Problemen. 25% aller Menschen haben zu irgendeinem Zeitpunkt Ihres Lebens behandlungsbedürftige Schulterschmerzen. Das Vorkommen von Rissen oder Teilrissen einer der Schultersehnen liegt bei den über 60 Jährigen bei weit über 30%. Schulterschmerzen gehören daher zu den häufigen Gründen für Arbeitsunfähigkeit.
Nach dem 40. Geburtstag steigt die Rate an Schultererkrankungen bei Männern wie bei Frauen stark an. Die Rotatorenmanschette der Schulter durch läuft also einen ganz normalen Alterungsprozess: Stabilität und Beweglichkeit der Schulter lassen mit zunehmendem Alter nach. Die Wahrscheinlichkeit von Verletzungen hingegen steigt deutlich an. Durchschnittlich sind die Patienten 55 Jahre alt, wenn sie erstmals wegen einer Erkrankung der Rotatorenmanschette in orthopädische Behandlung gehen. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen.
Schultersehnenrisse und Versicherungsgutachten
Nach Unfällen werden oft Sehnenrisse festgestellt, die älteren Datums sind, bisher aber beschwerdefrei. Das ist von rechtlicher Bedeutung: Schmerzensgeld- und Schadensersatzanspruch entsteht nur für die unmittelbaren Unfallursachen.
In der Computertomographie kann der Orthopäde jedoch erkennen, in welchem Zustand die mit der gerissenen Sehne verbundenen Muskeln sind.
Sind Muskeln stark zurückgebildet (atrophiert) liegt der Riss schon längere Zeit zurück. Bei neuen Defekten der Rotatorenmanschette sind die Muskeln noch gut ausgebildet und nicht verfettet. Defekte der Rotatorenmanschette sind also relativ gut datierbar.
Der Grund für das häufige Auftreten der Schultererkrankungen liegt in dem besonderen Aufbau der sogenannten Rotatorenmanschette der Schulter.
Anders als das Hüftgelenk ist die Schulter nicht in einer Gelenkpfanne verankert, die den Gelenkkopf fest umschließt. In der Schulter ist die Gelenkpfanne sehr flach und umgreift den Gelenkkopf nicht. Die Schulter ist frei beweglich - sie hat einen höheren Bewegungsspielraum, als alle anderen Gelenke des menschlichen Körpers. Gelenkkopf und Gelenkpfanne werden nur durch die Muskeln und Sehnen zusammengehalten, die zugleich Ihre Bewegung führen: das ist ein sensibles Muskel-Gleichgewicht. Dieser Muskel-Apparat, der die Schulter führt und durch sein Gleichgewicht am Platze hält, wird auch als Rotatorenmanschette der Schulter bezeichnet.Gleichgewicht bedeutet: Alle Muskeln und Sehnen müssen immer zusammenwirken und können Ihre Funktion nur gemeinsam ausüben. Sobald einer der Beteiligten gestört ist, gerät die Schulter aus dem natürlichen Gleichgewicht.
2. Diagnose von Defekten in der Rotatorenmanschette der Schulter
Direkte Untersuchung der Rotatorenmanschette
- Patientenbefragung
- Nachtschmerzen
- Prüfung der Beweglichkeit (aktiv & pasiv
- Prüfung auf zurückgebildete Muskeln
- Test auf Impingement
- Muskelfunktions-Prüfung auf Kraftverlust
Apparative Untersuchung der Rotatorenmanschette
- Röntgen: Sklerose, Osteophyten
- Röntgen: Abstand Oberarmkopfes zu Schulterdach vermindert
- Röntgen zeigt Differentialdiagnose z.B. Schulterarthrose
- Sonografie zeigt die Sehnen der Rotatorenmanschette in Aktion
- MRT zeigt Defekte der Rotatorenmanschette
Erstaunlich ist die Menge an Sehnenrissen und Teilrissen der Rotatorenmanschetten, die vom Patienten selbst völlig unbemerkt stattfinden. Schätzungsweise 30-50% der über 60 jährigen haben nachweisbare Risse der Rotatorenmanschette und sind im Alltag dennoch schmerzfrei.
Viele Patienten sind jedoch bereits bei Teilrissen sehr schmerzhaft beeinträchtigt und bedürfen einer gezielten Schmerztherapie. Das Beschwerdebild weist also bei Defekten der Rotatorenmanschette nicht eindeutig auf das Ausmaß der Beschädigung hin.
Dennoch spielt die Anamnese (Patientenbefragung) eine große Rolle bei der Diagnose der Rotatorenmanschetten-Defekte. In vielen Fällen kann der Patient das Auftreten der Beschwerden mit einem Sturz oder Unfall in Verbindung bringen.Die Rolle der Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) bei der Beurteilung der Roattorenmanschette
Eine Ultraschalluntersuchung der Schulter kann einen ganz wesentlichen Anteil bei der Beurteilung der Rotatorenmanschette leisten. Der wesentliche Vorteil dieser Methode: der Orthopäde kann live - unter aktiver und passiver Bewegung des Armes - den Schaden beurteilen. Die Auswirkung eines Sehnenrisses auf die Bewegung der Schulter können direkt besichtigt werden. Diesen Vorteil haben alle weiteren Diagnosemethoden (Röntgen und MRT - Magnetresonanztomografie) nicht. Sie erlauben lediglich eine indirekte Beurteilung der Rotatorenmanschette, weil sie statische Aufnahmen darstellen.3. Konservative Behandlung eines Defekts der Rotatorenmanschette der Schulter
In erster Linie und in den meisten Fällen erfolgt die Therapie der defekten Rotatorenmanschette konservativ.
Schmerztherapie: Bevor eine sinnvolle Therapie beginnen kann muß durch gezielte Schmerzbekämpfung Schmerzfreiheit erzielt werden. Das kann medikamentös durch nichtsteroidale Antirheumatika als Tablette oder Salbe erreicht werden (NSAR). Sollte hier keine Besserung erzielt werden kann kurzfristig mit Kortison-Injektionen in die Gelenkkapsel geholfen werden. Kortisoninjektion ist jedoch keine Dauertherapie. Mehr 2-3 Wiederholungen der Injektionen über mehrere Wochen verteilt sind nicht empfehlenswert.
Physiotherapie: Krankengymnastische Übungen erhalten die Beweglichkeit des Schultergelenks. Sie werden anfangs unter vollständiger Entlastung als passive Bewegungsübungen durchgeführt. Später kann Teilbelastung hinzukommen. Übungen zur Muskelkräftigung kommen erst später hinzu, wenn bereits Schmerzfreiheit erzielt worden ist. Hier kommt es vor allem auf das Training der sogenannten oberarmsenkenden Muskeln an: Ihre Kräftigung sorgt für Vergrösserung des Raumes unter dem Schulterdach und damit einer Behebung der Bewegungsblockade (subakronialer Raum) Auch Bewegungsbäder werden bei Defekten der Rotatorenmanschette gerne verordnet.
4. Operation der Rotatorenmanschette der Schulter
Minimalinvasive Naht der gerissenen Schultersehne

Das meist verwendete Verfahren ist die Nahtankertechnik (Tight Rope). Dabei werden Anker im Bereich des Oberarmkopfes angebracht: dort setzen die Sehnen an. Diese Fäden werden durch die Sehnen geschlungen. Dadurch werden die Sehnenfragmente wieder befestigt.
Nach dieser Operation ist eine 6-wöchige Ruhigstellung des Oberarms erforderlich. Dazu wird ein spezielles Lagerungskissen verwendet.
Bei der Entscheidungüber eine Operation der Rotatorenmanschette haben Arzt und Patient viele Behandlungsmöglichkeiten. Das Ausmaß der Schmerzen und der Bewegungsbeeinträchigung, Lebensalter, Anspruch an die sportliche Leistungsfähigkeit und Betrachtung der beruflichen Ansprüche an die Funktion der Rotatorenmanschette fließen in die Therapieentscheidung ein. In einem offenen und ausführlichen Beratungsgespräch müssen Patient und Arzt einen Therapieplan ermitteln.
Was spricht für eine schnelle Operation der Rotatorenmanschette?
Eine Sehnennaht ist um so erfolgreicher, je schneller nach dem Riss genäht wird. Vor allem bei Sportlern mit einer hohen Belastung der Schulter, die eine schnelle Wiederherstellung Ihrer Sportfähigkeit anstreben, wird eine schnelle Operation befürwortet.
Bei langandauernden schmerzhaften Beschwerden im Schultergelenk können sich die Schmerzen und die Bewegunsgeinschränkung festigen - bis hin zum Eintreten einer "Frozen Shoulder".
Eine derartige chronische Verschlimmerung der Rotatorenmanschette verschlechtert die Aussichten einer Naht der Rotatorenmanschette. Die Operation erübrigt sich dann oft einfach. Dann muss zunächst der Rückgang der Bindegewbs-Entzündung der Gelenkkapsel bzw. des "Frozen Shoulder" Syndroms abgewartet, bevor erneut über eine Sehnen-Naht entschieden werden kann.
Was spricht gegen die schnelle Operation? Das klinische Bild - Schmerzhaftigkeit, tatsächliche Bewegungsbeeinträchtigung - ist bei den einzelnen Patienten so unterschiedlich: in vielen Fällen kann bereits mit einer konservativen Therapie ein vergleichbar schnelles und gutes Ergebnis für die Schulterbeweglichkeit erzielt werden.
Wenn die konservative Behandlung der Rotatorenmanschette nach etwa 6 Monaten keine Besserung der Beweglichkeit und Schmerzfreiheit bringt, wird auf jeden Fall an eine Operation gedacht.
Wenn die Instabilität der Rotatorenmanschette auf Sehnenbrüche (Rupturen) zurückführbar sind, kann der Orthopäde die Sehne nähen.
Die Naht der Rotatoprenmanschette wird immer häufiger arthroskopisch, d.h. als minimalinvasiver Eingriff durchgeführt. Beim arthroskopischen Eingriff können auch größere Schäden der Rotatorenmanschette minimalinvasiv genäht werden. Die Schulterarthroskopie wird in der Regel unter Vollnarkose ausgeführt. Die minimalinvasive Sehnennaht der Rotatorenmanschette ist ein sehr anspruchsvoller Eingriff. Eine gute technische Ausstattung und arthroskopische Ausbildung des Chirurgen ist Voraussetzung dafür.
"Akromioplastik" - die teilweise Abtragung des Schulterdachs: Die Reibung zwischen Oberarmknochen und Schulterdach (Akromion) kann durch Knochenabtragung vermindert werden. Mit einem minimalinvasiven Eingriff kann ein Teil des Schulterdachs abgetragen werden. Mit kleinsten Fräsen und Sägen kann Raum gschaffen werden für das Schultergelenk. Diese Akromioplastik kannn als minimalinvasiver Eingriff gemeinsam mit dem Verschluß der Rotatorenmanschette durch Naht erfolgen, wenn die Beurteilung des Oberarmknochens und der Schulter unter Arthroskopischer Sicht das Nahe legt.5. Prognose: Aussichten nach Behandlung der Rotatorenmanschette
Bei konservativer Therapie bessern sich die Beschwerden in der Regel innerhalb einiger Wochen oder Monate. Auch ohne Naht oder Operation kann ein akuter Defekt (Sehnen-Ruptur) in einen schmerzfreien, stabilen Zustand überführt werden, in dem der Patient hinreichend beweglich ist.
Die überwiegende Mehrzahl (80%-90%) der Patienten haben nach operativer Behandlung - Akromioplastik und Rotatorenmanschettennaht eine deutlich schmerzfreiere und besser bewegliche Schulter. Durch die Akromioplastik wird die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls stark abgesenkt. Bei Rotatorenmanschettenverschluß ohne Akromioplastik - Abtragung eines Teils des Schulterdachs zur Beseitigung der Enge im Schultergelenk - deutlich höher.



