Die "Kalkschulter" - schmerzhafte Kalkeinlagerungen in der Schulter
- Wer bekommt eine Kalkschulter?
- Wie entwickelt sich eine Kalkschulter?
- Woran erkennt der Orthopäde die Kalkschulter?
- Wie behandelt der Orthopäde die Kalkschulter?
- Wie sind die Aussichten nach Behandlung der Kalkschulter?
1. Wie bekommt man eine Kalkschulter?

Der Krankheitsverlauf ist bei der Kalkschulter oft still und unauffällig. Viele Betroffene leben zunächst mit Ihrer Kalkschulter, ohne es zu bemerken.
Frauen sind öfter von einer Kalkschulter betroffen als Männer. Meistens tritt sie im Alter von 35-50 Jahren erstmals auf. In einem späten Stadium der Erkrankung kann sich die Kalkschulter jedoch schnell und schubhaft durch starke Schmerzen, Unbeweglichkeit (Impingement) und Entzündungen im Schultergelenk bemerkbar machen.
Bei Vorliegen einer akut entzündeten Kalkschulter spricht man auch von der Tendinitis Calcarea

2. Was führt zum Krankheitsausbruch bei der Kalkschulter?
Die Kalkschulter hat in der Regel eine lange Vorgeschichte. Äußere Ursachen sind Unfälle, Stürze und Sehnenrisse. Aber auch Sport, Schwerarbeit, Überbeanspruchung und daraus resultierende Verletzungen können die Ursache sein. Zu den möglichen Inneren Ursachen gehören der Alterungsprozess und schwache Durchblutung. Durch eine lokale Minderdurchblutung in der Schultersehne verwandelt sich das Gewebe der Schultersehne zunächst in Faserknorpel um. Diese Umwandlung ist im Röntgen noch nicht sichtbar. In einer späteren Phase lagert der Körper Kalk in das absterbende Faserknorpelgewebe ein. Nun wird die Kalkschulter in Ultraschall und Röntgen sichtbar. Je nach der Stärke der Kalkeinlagerung kann die Sehne anschwellen. Die Verkalkung übt nun auch Druck auf den Schleimbeutel und die anderen Sehnen der Rotatorenmanschette aus, die unter dem Schulterdach verlaufen. Das kann eine schmerzhafte Reizung auslösen. Man spricht dann vom Impingement.
Krankheitsphasen der Kalkschulter
Jede dieser "Phasen" kann entweder schnell durchlaufen werden oder ausgedehnt andauern, ohne die nächste Phase zu erreichen.- Zellumwandlung von Sehnengewebe in Bindegewebe in der Rotatorenmanschette der Schulter
- Verkalkung: Die bindegewebig veränderte Sehne lagert Kalk ein - sie "verkalkt"
- Der Körper resorbiert den Kalkherd. Dabei können sich Schleimbeutel und Rotatormanschette schmerzhaft entzünden
- Reparaturphase: das Kalkdepot löst sich nach der Entzündungsphase wieder auf. Die normale Beweglichkeit der Sehne stelt sich wieder her.
3. Wie kann der Orthopäde die Kalkschulter feststellen?
Diese Beschwerden weisen auf eine Kalkschulter hin
- Wenn Sie beim Liegen auf der betroffenen Schulter Schmerzen haben
- Wenn sie plötzlich stechende Schulterschmerzen verspüren, aber keinen Unfall hatten
- Wenn Ihr Arm plötzlich gelähmt, oder in der Beweglichkeit stark eingeschränkt ist (Impingement)
- Wenn sie besonders beim Arbeiten über Kopf starke Schmerzen in der Schulter haben
- Unerklärliche Nackenschmerzen können als Folge einer schmerzdingten Schonung der Schulter entstehen
Die Beschwerden und das klinische Bild eines Patienten mit Kalkschulter stellen sich je nach Krankheitsstadium und indivduellem Verlauf sehr unterschiedlich dar. Die Diagnose der Kalkschulter durch einen Orthopäden erfolgt auf Grund des lange Zeit beschwerdearmen Verlaufs oft sogar zufällig. Der direkteste Mechanismus, der zu Beschwerden führt, ist die Reibung der Kalkdepots an Schleimbeuteln und Sehnen: Das verursacht schmerzhafte Entzündungen.
Oft wird im Zusammenhang mit Bewegungseinschränkungen des Schultergelenks der Begriff Impingement verwendet: Impingement bezeichnet die zunehmende Bewegungseinschränkung des Arms durch Blockade des Gelenkraumes.
Apparative Untersuchung der Kalkschulter
Neben der Befragung des Patienten spielen bildgebende Verfahren die größte Rolle bei der Diagnose der Kalkschulter. Sowohl Ultraschall (Sonografie) als auch Röntgenbilder können Kalkeinlagerungen im Gewebe sehr gut darstellen.
4. Wie behandelt der Orthopäde die Kalkschulter?
Zunächst muß man vorausschicken, daß nicht jede Kalkschulter behandelt werden muß. Grundsätzlich heilt eine Kalkschulter über einen natürlichen Selbstheilungsprozess (Resorption des Kalkdepots) wieder aus. Schwierig ist oft nur die Dauer und die Unwägbarkeit des Verlaufs. Um Behinderungen und Schmerzen im Alltag zu vermeiden, gibt es verschiedene Verfahren, um diesen Prozess der Kalkresorption zu beschleunigen oder Kalkdepots direkt zu entfernen.
Die Behandlung durch den Orthopäden orientiert sich also an dem vorliegenden Krankheitsstadium, Form und Größe des Kalkdepots und den eventuell vorliegenden Schmerzen und Einschränkungen.
Die Konservative Behandlung der Kalkschulter
Die Schmerzbehandlung bei Kalkschulter kann durch schmerzstillende Medikamente (NSAR) erfolgen.Bei starken Schmerzen kann die Schulter durch eine Schulterorthese (Schiene) entlastet werden
Bei sehr starken Schmerzen im Verlauf der Kalkschulter ist die Injektion von Schmerzmitteln oder Betäubungsmitteln direkt in die entzündete Rotatormanschette des Schultergelenks möglich.
Sobald der Verlauf der schmerzhaften Entzündung der Kalkschulter Bewegung wieder zulässt sollte das Schultergelenk durch Physiotherapie wieder bewegt werden: Das Schultergelenk neigt nach Schmerzepisoden durch Schrumpfung der Schulterkapsel zur Teilversteifung.

Literatur zu Stosswellentherapie
Behandlung der Kalkschulter durch Operation
Gründe für eine Operation der Kalkschulter
- Starke Schmerzen
- Langwieriger Verlauf
- Sehr große und harte Kalkdepots(>1 cm Durchmesser)
- Stark entzündetes oder vernarbtes Schleimbeutelgewebe
- Brüchige oder angerissene Schultersehne
Bei der Kalkschulter wird die Empfehlung einer Operation sehr zurückhaltend gestellt, weil die Aussichten auf natürliche Ausheilung sehr gut sind. Leidet der Patient unter sehr starken Schmerzen und ist der Verlauf langwierig, können die Kalkdepots auch operativ entfernt werden. Diese Entfernung der Kalkdepots kann arthroskopisch - minimalinvasiv als Schlüssellochoperation - erfolgen.
Die Arthroskopie der Schulter erlaubt auch die Besichtigung von möglicherweise zusätzlichen Schäden wie Schulterarthrose (Omarthrose) und Sehnenschäden. Diese Schäden können bei dem Eingriff minimalinvasiv mitbehandelt werden. Die Schulterarthroskopie erlaubt auch die Entfernung des entzündeten oder vernarbten Schleimbeutelgewebes (Bursa subacromialis). Dadurch wird der Druck unter dem Schulterdach vermindert. Nach einer Operation wird eine 3-wöchige Ruhigstellung der Schulter verordnet. Danach ist Krankengymnastik erforderlich um die Beweglichkeit der Schulter wieder vollständig herzustellen.
Prognose: Wie sind die Aussichten nach einer Kalkschulter?
In aller Regel ist eine Kalkschulter ein einmaliges Ereignis. Ist sie ausgeheilt und das Kalkdepot natürlich resorbiert oder operativ entfernt, kehrt eine Kalkschulter nicht wieder. Es besteht keine Rückfallgefahr.
Bei hartnäckigen und stark verhärteten Kalkdepots besteht die Gefahr der dauernden Schwächung der Sehne. Eine Schwächung oder Beschädigung der Rotatorenmanschette des Schultergelenks kann zur Entstehung von Schulterarthrose (Omarthrose) beitragen. Die Rotatorenmanschette ist das System aus Muskeln und Sehnen, das zur freien Beweglichkeit und Stabilität des Schultergelenks beiträgt. Aus diesem Grunde ist die Prognose oft besser, wenn die Ausheilung der Kalkschulter möglichst früh durch orthopädische Behandlung gefördert und überwacht wird.
Sie haben weitere Fragen zur Kalkschulter? Hier können Sie mit Dr. Schneider Kontakt aufnehmen.



